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Auf Achse durch den Schwarzwald
Category: Presseberichten Created on Tuesday, 20 September 2011 08:58 Hits: 362
Historik Baden – Auf Achse durch den Schwarzwald
Beim Aufbau des Frühstücks am Sonntagmorgen an der Merkur-Bergstation in Baden-Baden versprachen die ersten Sonnenstrahlen den Organisatoren einen Schönwettertag.
Genau das, was sich Franz Grass als Fahrtleiter und Bernd Banger als Vorsitzender der „Oldtimerfreunde Baden e.V.“ für die „Historik Baden 2011“ gewünscht hatten.
Für die Vereinsmitglieder und den Helferinnen und Helfern begann dieser Tag vor 7.00 h: Papierabnahme, Technische Abnahme, Aufstellen der Start-Portals, Einteilung der Streckenposten, Einweisung in der Prüfungsaufgaben, Kontrolle aller Unterlagen, Fahrzeuginformationen für den Streckensprecher, Pressemappen, endgültige Teilnehmerlisten, Vermittlung von Beifahrern, weil der ursprünglich angemeldete nicht kommen konnte usw. usw.
8.00 Uhr: Ausgabe der Bordbücher, 8.30 Uhr: Fahrerbesprechung durch den Fahrtleiter. Alle noch einmal daran erinnern, dass sich die Teilnehmer an die Straßenverkehrsordnung halten müssen, in den Fußgängerzonen langsam fahren, dass sie in Bad Wildbad nicht in den Tunnel fahren sollen, dass es für alle genug zu essen gibt und dass auch für Anfänger die Fahrt ohne Probleme zu meistern ist.
9.00 Uhr an der Merkur Talstation in Baden-Baden:
Alle Cabrios mit offenem Verdeck, Bordbuch und Bordkarte parat, startete die Historik Baden 2011 zum 7. Mal. Sonnenschein, gute Laune, und gespanntes Erwarten auf die kommenden Aufgaben, die sich die Organisatoren in diesem Jahr wieder haben einfallen lassen. Da schon vor dem Start allen der Umgang mit dem „Chinesen“ (so nennt man die Zeichen zur Streckenführung) erklärt wurde, ging es erst mal gemächlich durch die Kurstadt Baden-Baden auf die Schwarzwaldhochstraße.
Jedes Jahr gibt es eine neue Route durch unsere Region. Selbst Einheimische wundern sich, was es doch hier für schöne Straßen und tolle Landschaften gibt. Und da kommen dann schon die ersten
Prüfungsaufgaben. Richtung Bühlertal geht es um ein Flachrennen. Es wird eine Sollzeit vorgebeben und jede Sekunde Überschreitung oder Unterschreitung wird mit einem Strafpunkt bewertet. 3,5 km in 5 Minuten und 30 Sekunden sind ohne Probleme zu bewältigen, wichtig ist eben, dass die Teilnehmer exakt das Ziel in 5‘30“ durchfahren.
Bei der nächsten Prüfung in Richtung Hunsbach war Wissen gefragt:
Ein Fragebogen der besonderen Art. Diesmal ging es um die Embleme der Fahrzeuge. Kein Teilnehmer hatte alle Fragen richtig beantworten können. Wer weiß denn schon, warum auf dem Emblem von Peugeot ein Löwe abgebildet ist? Wer kann sich erinnern, warum Maserati einen Dreizack abgebildet hat? Wenige waren sich sicher zu wissen, warum z.B. Renault ein Rautengitter als Markenzeichen verwendet. 16 solcher Fragen in 10 Minuten, da bleibt keine Zeit, mit Hilfe der neuen technischen Errungenschaften zu googlen.
Über Kirschbaumwasen, Schönmünzach und Besenfeld ging es nach Bad Wildbad.
Die Vorstellung der Fahrzeuge in Bad Wildbad durch den Sprecher Erich Sulzer haben die Zuschauerinnen und Zuschauer sehr interessiert verfolgt. Die Fahrer und Beifahrer aber, die waren beeindruckt von dem Hintergrundwissen des Sprechers über technische Daten und Geschichten der Fahrzeuge. Schön, dass man vor einem interessierten Publikum auch mal das heißgeliebte Fahrzeug zeigen kann , das man die ganzen Jahre gehegt und gepflegt hat. Als Gastgeschenk der Stadt Bad Wildbad bekamen die Teilnehmer genau das, was dringend benötigt wurde: Sonnencreme. Frau Dr. Marina Lahmann, Stadtverwaltung Bad Wildbad, Stadtmarketing, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Teilnehmer persönlich zu begrüßen.
Sonnenschein, eine milde Brise, leere Straßen, mehr brauchen Oldtimerfreunde nicht. Schmale Sträßchen und hübsche Städtchen machen den Schwarzwald zu einer idealen Cabrio-Region.
Wer das Bordbuch richtig gelesen hatte, fand sich zum Mittagessen in der Eyachmühle ein. Natur pur, gutes Essen und anschließend weiter zur Bergprüfung Dobel. Ganz schön knifflig ist die Berechnung der Durchschnittsgeschwindigkeit. Dabei haben sich viele wieder an die Schulzeit erinnert, eine Stunde hat 60 Minuten, wie schnell soll ich durchschnittlich fahren, wenn ich für 1,89 km eine Sollzeit von 3‘30“ habe? So lautete die Frage ? oder so ähnlich?
Dann gings in Richtung Gaistal.
Da durch? Durch das Wasser? Ja, bei der Plotzeckmühle gibt es eine Wasserdurchfahrt, die sich für manche Teilnehmer als Herausforderung darstellte. Setzt das Auto auf? Beim vorsichtigen überqueren natürlich nicht. Beifahrer sondierten die Lage, prüften die idealste Überfahrt und so mancher stieg mit nassen Füßen wieder ein. Sportliche gab es, die flott das Wasser spritzen ließen und winkende Teilnehmer, die so eine Strecke noch nie gefahren waren und sich einfach nur freuten.
Nach Loffenau, Gernsbach, Ebersteinburg und Baden-Baden kam die nächste Aufgabe: 1,8 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30m/h sind genau zu berechnen. Da kamen so manche Ingenieure ins schwitzen.
Kaffee und Kuchen bei der Firma Kruezi. Werkstattfeeling, Benzingespräche beim Zwischenstopp. Infos über Sandstrahltechnik. Gemütlich ein Gespräch mit den anderen Teams führen und/oder Pause machen, alles war möglich.
Danach standen Geschicklichkeitsprüfungen an. Einparken. Es war kein Zufall, dass gerade diese Prüfungen von unseren weiblichen Helferinnen und Helfern gestoppt und gemessen wurde. Schön, mal zu beobachten, wie Männer so richtig schwitzten beim Versuch, ihr Fahrzeug mittig einzuparken. Da wurden Zentimeterabstände gemessen vom Vorderrad links zur Markierung und vom Vorderrad rechts, und dann die Differenz als Punkte vergeben. Wer also genau die Mitte getroffen hatte, bekam keinen Strafpunkt. Und da waren sie, die Autofahrertypen, die manchmal nur zwei oder drei Zentimeter Unterschied hatten und den Radstand genau kannten. Ganz so einfach blieb es nicht. Die nächste Aufgabe war dann das Ganze nochmal, rückwärts und auf Zeit. Fazit der Helferinnen: Man glaubt es kaum aber fast alle Männer parkten rückwärts besser ein als vorwärts. Übrigens konnten sich auch die Ergebnisse der Damenteams durchaus sehen lassen.
Die Vorstellung der Fahrzeuge in Baden-Baden fand in diesem Jahr nicht vor dem Theater statt, weil durch die Tunnelsperrung die Streckenführung schwierig war und die Genehmigung hierfür nicht erteilt werden konnte. Ganz neu also ging die Fahrt von der Sophienstraße zum Leopoldsplatz und wieder zurück. Am Leo, vor dem Amadeos Bräuhaus zeigten sich die Fahrer mit ihren Schätzchen noch einmal und ließen sich vom Streckensprecher vorstellen.
Erich Sulzer war dann doch überrascht, als ihm von italienischen Touristen in Baden-Baden mit Händedruck für die Präsentation gedankt wurde, Vor allem deshalbm weil die Familie selbst einige der Fahrzeugmarken vor vielen Jahren selbst gefahren hatte: italienische Fahrzeuge.
Ausfälle gab es auch. Die Hitze oder die 150 km. Das ist Pech, zumal sich Lara (11) und Tom (6) so auf die Teilnahme gefreut hatten. Wussten sie doch vom letzten Jahr, dass die Kinder bei der Siegerehrung extra aufgerufen werden. Mit einem Ersatzwagen haben sie es dann aber auch zum Ziel in das Merkurstüble geschafft.
Ausklang: Auf dem Merkur zuschauen, wie die Gleitflieger starten und sich im abendlichen Aufwind gen Baden-Baden bewegten, gut Abendessen und dann die Auswertung der Punkte abwarten, das war zum Schluss dann doch noch einmal recht spannend. Gesamtsieger wurde das Team Erni/Matzke mit ihrem „limitierten Kunstwerk“, die sich am schwersten taten mit der Wasserdurchfahrt (geringer Abstand des Spoilers zum Boden), die sich am Fragebogen fast die Zähne ausbissen, die aber eben ganz genau aufgepassten hatten bei den Durchschnittsgeschwindigkeiten und das mit dem Einparken super hingekriegt hatten. Erni/Matzke fuhren mit dem Porsche 911 V Carrera RS 3.0, einem ehemaligen Rennfahrzeug, von dem nur 908 Exemplare gebaut wurden. Hubraum: 3,0 Liter, 311 Pferdestärken, 900 kg. Das Prachtstück bekam damals die erste breite Karosserieform, die durchfließend für 911 Turbo übernommen wurde. Weil nicht alle Ersatzteile vor der Fahrt besorgt werden konnten, hat das Team - offensichtlich erfolgreich – auch ein Spätzlesieb eingebaut. Ideen muss man haben.
Von den vier teilnehmenden Damenteams errang Start Nr. 25 Gabriela Schulz und Heike Hommes die Wertung für das beste Damenteam. Sie fuhren mit „Oscar“ dem wahrgewordenen Traum eines VW Käfer Cabrio von Gabriela Schulz mit 65.000 Original km.
Von den Sponsoren als schönstes Fahrzeug prämiert wurde die Start Nr. 3 von Peter und Angelika Kalmbach mit ihrem Austin Healey 100/4 BNZ Baujahr 1956 mit einer Stückzahl von 4.000 in der Le Mans-Ausstattung. Das Fahrzeug hat an der Mille Miglia und in Le Mans teilgenommen. Für den 2. Platz in dieser Kategorie wurde das Team Bernd und Carina Amann gewählt mit ihrem Mercedes 220 SE, Baujahr 1965. Das Auto wurde 1977 von Vater des heutigen Besitzers gekauft und ist somit 34 Jahre in Familienbesitz.
Bei der Klasse S ging das Team Harald Balfanz und Michael Hommes mit ihrem Porsche Turbo Bj 1984 als Sieger hervor. Der 1. Gang reicht bis 100 Std/Km. Mit seinen 300 PS wird der Porsche mittlerweile wegen seiner Wertsteigerung auch als Garagengold bezeichnet.
Die Klasse H gewannen Bernd Hoffmann und Ellen Zaum mit der Start Nr. 45 mit der Toyota Celica Bj 1980. Das Team gibt den Wert des Autos als „unermesslich, unverkäuflich“ an. Seit 30 Jahren ist Bernd Hoffmann Toyota-Fan und sammelt alles über Toyota. 1980 fuhr Achim Warmbold auch eine Celica eben dieser 2. Generation zum Gesamtsieg der Dt. Rallye-Meisterschaft. Hoffmann/Zaum fuhren in diesem Jahr ihre 6. Historik-Baden mit.
Die Klasse G gewann das Team Erni/Matzke, die auch das Gesamtklassement anführen. Den zweiten Platz in der Klasse G erreichte das Team Manfred und Jürgen Naumer mit ihrem Mercedes 220 D, Bj. 1970. Der 60 PS-Diesel ist seit 37 Jahren in Familienbesitz und im Originalzustand.
In der Klasse B gewannen Werner und Marco Heck mit ihrem Alfa Romeo Giulietta Sprint Bj. 1959 den 1. Platz. Das Auto wurde 1980 aus Sizilien importiert, das Team hat zum zweiten Mal an der Historik Baden teilgenommen.
Die Start Nr. 1, der Fiat Topolino (zu Deutsch: Mäuschen), Bj. 1952 wurde auch erster in seiner Klasse. Der Rechtslenker wurde ursprünglich für England gebaut, der Besitzer wollte nach England auswandern. In Rosenheim machte der Italiener Pause und lernte da seine Frau kennen und aus wars mit England. Der Teilnehmer und Besitzer des Autos Walter von Ow erfuhr 1985 von der Existenz des Autos und konnte ihn erwerben. Er hat ihn in zwei Jahren neu aufgebaut und nun tut er wieder seine Pflicht.
